Algermissen: Nicht nur in Tradition verhaftet

Algermissen: Nicht nur in Tradition verhaftet

Nachfolgend einige Ausschnitte seiner Reden, die unser Öffentlichkeits-Referent

Gerhard Schütte aus Anlass verschiedener Festlichkeiten hielt.

Er kennt sich geschichtlich bestens aus, ist Gemeindeheimatpfleger

und darüber hinaus auch Kreisheimatpfleger.

Wir setzen die Rubrik „Vereinsgeschichte“ mit interessanten und recht spannenden  Text- und Bild-Beiträgen im Laufe der nächsten Wochen fort.


Wohl kaum ein Ort in der Region kann auf eine solch lange und umfangreiche Geschichte zurückblicken wie Algermissen. Vor 2000 Jahren siedelten hier schon Menschen, wie die uralte Zisterne im Heimatmuseum beweist. Nachweislich im Jahre 985 war hier schon von einem Dorf zu sprechen. Natürlich ist Algermissen aber nicht nur alt und in Traditionen und Brauchtum verhaftet. Beispiele von der zeitgerechten  Entwicklung ist der mutige Schritt gewesen, die erste private Kläranlage Deutschlands zu bauen, außerdem die erste Bio-Gasanlage im Landkreis Hildesheim.

   „Im Landkreis ganz oben“ stellen die Algermissener fest und meinen damit nicht nur die geographische Lage im nördlichsten Teil des Landkreises Hildesheim. Was ist es eigentlich gewesen, das Algermissen so bekannt gemacht hat?

 

   Aus heutiger Sicht lässt sich schwer beurteilen, ob es die Fußballer gewesen sind, die über acht Jahre in Deutschlands höchster Spielklasse gegen Spitzenmannschaften wie der Hamburger SV, Werder Bremen, Eintracht Braunschweig, Arminia Hannover und Hannover 96 um Punkte kickten. Vielleicht auch die weit über Hunderttausend von wohlgemästeten Gänsen, die hier Jahr für Jahr vor Weihnachten vermarktet wurden. Um die riesigen Mengen der Junggänse aus Polen und Russland überhaupt verladen zu können, baute die Bahn einen eigenen Gänsebahnhof.

  Sicher haben auch die bekannten Betriebe mit zu verantworten, dass der Name Algermissen im weiten Rund einen guten Namen bekam. Der Landhandel Gebrüder Weiterer mit der ersten Stahlsiloanlage in Niedersachsen mitten im Ort, die Straßenbaufirma Bettels, die mehr als 140 Jahre alte Ziegelei und Zuckerfabrik, die Molkerei und die Sackfabrik von Karl Weiterer gehören dazu. Schon recht früh, am 12. Juli 1846, fuhr der erste Zug durch das Dorf Algermissen.

  Aus zahlreichen Familien sind Persönlichkeiten hervorgegangen, die nicht nur in ihrer Heimat Geschichte geschrieben haben. Dazu zählt unter anderem auch Bischof Dr. Joseph Ernst, Bundesminister Dr. Heinrich Krone aus dem Kabinett von Konrad Adenauer sowie der Gauliga-Fußball-Mannschaftskapitän, der spätere Tuberkulose-Chefarzt vom Braunschweiger Klinikum, Dr. Hans Benner. Wie etliche andere im vorletzten Jahrhundert wanderten Ernst und Andreas Machens wegen der wirtschaftlichen Krise in die USA aus. Heute zeugt ein Ort namens Machens am Zusammenfluss von Mississippi und Missouri von der Schaffenskraft der beiden Algermissener Söhne und ihrer Familien.

  Traditionen zu pflegen, das gehört hier schon zum guten Ton. Zu diesen Attraktionen zählen das Böllerschießen und das Schlagen der Kesselpauken am Fronleichnamstag und das Wegbringen von mannshohen Fastnachtskerlen durch die Junggesellschaft an unverheiratete Damen. Die vielen traditionsreichen Vereine, von Musik bis zum Sport, vom Tauziehen, Boxen, Kunstturnen bis hin zum Fußball mit seiner so erfolgreichen Vergangenheit, machten Algermissen zu einem Dorf voller Aktivitäten. Das Heimatmuseum mit dem Schwerpunkt Volkskunde stellt seine Einmaligkeit im weiten Umkreis durch zahlreiche attraktive Sonderausstellungen (Im Zeitraum von 1985 bis heute 75 solcher Ausstellungen) deutlich unter Beweis.

  Zu weiteren Besonderheiten zählen außerdem die vier Kleintierzuchtvereineim Ort: die Brieftaubenvereine „Heimatliebe“ und „Immertreu“, der Verein für Deutsche Schäferhunde und als ältester der Rassegeflügelzuchtverein Algermissen und Umgebung, gegründet 1901.

Titelseite auf dem aktuellen RGZV-Flyer: Den sechseckigen Dachreiter der uralten Sankt-Mauritius-Kapelle krönt dieser Jahrhunderte alte Wetterhahn, geziert mit fünf Jahreszahlen, die auf dessen Restaurationen hinweisen.

Dorf-Idylle mit Kutsche und Dampflock in Algermissen zur Zeit der Gründung des RGZV 1901. Links das damalige Vereins- und Gründungslokal „Zur Post“. 

Aus dem Gründerjahr des RGZV Algermissen. Die älteste Wegekreuzanlage im Kreis Hildesheim (1700) steht mitten im Dorf.

                                                                                                      

Dieser 2000-Jahre alte Brunnen ist erst nach der RGZV-Gründung beim Kanalbau in der Feldmark von Algermissen freigelegt worden.