Nachruf Wilhelm Klug + 21. Juli 2013

Wilhelm Klug : Vita eines Tierliebhabers  + 21.07.2013

   Auf dem Lühnder Dorffriedhof nahm eine große Trauergemeinde Abschied von Wilhelm Klug (82). Vor allem waren es die örtlichen Vereine Feuerwehr, Schützenverein von 1837, Kegelclub „Acht ums Vordereck“ und der Rassegeflügelzuchtverein Algermissen und Umgebung, die ihr langjähriges Mitglied zur letzten Ruhestätte begleiteten. In seiner beeindruckenden Rede nannte Pastor Günter Albrecht etliche Stationen von Wilhelm Klug.

   Hier einige Auszüge aus der Vita von Wilhelm Klug: 40 Jahre lang stand er mit seiner Ehefrau Gisela jeden Mittwoch und Samstag vor dem Rathaus auf dem Hildesheimer Marktplatz am Gärtnerstand. „Bei den Kartoffeln und vor allem bei unseren Tomatenpflanzen standen die Stammkunden oft Schlange“, erzählten die beiden immer wieder gern.  

   Wilhelm hatte vom Vater und Großvater Klug - beide waren als „Guts-Gärtner“ in Marienrode tätig - das Gemüse-Gärtner-Handwerk übernommen. Nach seiner Lehre bei Wilhelm Lehnhoff in Achtum und den nachfolgenden Gehilfenjahren in Hamburg und Recklinghausen übernahm er in den 1950er Jahren das Elternhaus mit Grundstück an der Hauptstraße 12 in Lühnde. Auf dem rund drei Morgen großen Gartengelände baute er Kartoffeln, Kohlrabi und Blumenkohl an und zog Sortimente von Beet-Pflanzen groß, das war seine Spezialität.

    Mit einem VW- und danach mit einem Ford-Kasten-Planwagen fuhr Wilhelm Klug dann morgens um sechs Uhr los, prall gefüllt mit selbst großgezogenen Gärtnerprodukten zum Marktplatz in Richtung Hildesheim, bei Wind und Wetter. Seine Gisela half dabei oft mit, in den letzten drei Jahrzehnten ständig. In den Zeiten davor versorgte sie die Kleinkinder Renate und Erich. Wilhelm Klug und Gisela, geborene Thomas aus Schreibersdorf bei Lauban/Schlesien, lernten sich bei einer Hochzeitsfeier in Lühnde kennen. 

   Wilhelm hatte ein Stück der örtlichen Vereinsgeschichte geschrieben. Beispielsweise war er bei der Wiedergründung des Schützenvereins von 1837 im Gasthaus Selle im Jahr 1954 dabei. Dem Kegelclub „Acht ums Vordereck“ gehörte er über 50 Jahre an.

   Er widmete sich der örtlichen Feuerwehr, zwischenzeitlich mit mehreren Sonderaufgaben, darunter auch als stellvertretender Ortsbrandmeister. Seine Kameraden trugen ihn zu Grabe. Wilhelm Klug gehörte 24 Jahre lang dem Kirchenvorstand der uralten Martin-Archidiakonats-Kirche an. Schade nur, dass er die 900-Jahr-Feier dieses Gotteshauses nicht mehr miterleben kann.     

   Wegen seiner Verdienste ist der Lühnder Landsmann zu Lebzeiten mit etlichen Ehrungen ausgezeichnet worden. Seit der Wiedergründung des Rassegeflügelzuchtvereins Algermissen 1993 gehörte er diesem erfolgreichsten aller Vereine im Umfeld der dort rund 90 Vereine, Verbände und Organisationen im Bereich der Gemeinde Algermissen an. Wilhelm Klug züchtete vornehmlich die Zwerg-Welsumer und die der recht Seltenen der Nackthalshühner, eine klassische Wirtschaftsrasse aus der Ursprungsregion Siebenbürgen. Vor den Ausstellungen gehörte die fachgerechte Maniküre der knallroten Hälse dieser Hühner dazu. Seihe Ehefrau Gisela half dabei. Das klappte prima. Mit der Ehrennadel in Gold sollte Wilhelm Klug bei der nächsten RGZV-Hauptversammlung ausgezeichnet werden. Das hatte er nicht mehr erleben können.

   Über eine Besonderheit freute sich der echte Tierliebhaber ganz besonders. Seit Jahrzehnten gehörten seine schwarzen Brieftauben im Freiflug zum Aushängeschild des Hauses Klug mitten in Lühnde. Und wenn Wilhelm mal zum Angeln an den Teich entlang der Bahnstrecke zwischen Lühnde und Wätzum ging, dann freute er sich so richtig über Flora und Fauna. Das liebte der gestandene Gärtner.   

Text und Fotos: Gerhard Schütte

Rassegeflügelzüchter Wilhelm Klug verstarb mit 82 Jahren.


Neben Zwerg-Welsumern züchtet Wilhelm Klug diese Nackthalshühner.